Antinormannismus

Im Allgemeinen pro-slawische Theorie über den Ursprung der Kiever Rus, die den Skandinaviern keine Rolle in der frühen Gründungsgeschichte der Kiever Rus zuspricht. Sie wird auch als organischer Ansatz zur kulturellen Identitätsfrage der Gründer des Reiches betrachtet und begründet den Zusammenschluss der russischen Stämme durch eine Bedrohung durch steppennomadischer Völker, den interregionalen Handel nach Osten und Süden sowie durch die Basis erfolgreicher Agrarwirtschaft. Ihre Vertreter plädieren für einen autochthonen Ursprung und werden auch oft als aufklärerisch patriotisch und nationalromantisch bezeichnet.

Vertreter sind Michail Wassiljewitsch Lomonosow (1711 - 1765), der erstmals 1730 Widerspruch gegen Normannistentheorie an der Akademie einlegte. Der russische Dichter, Naturwissenschaftler und Reformer der russischen Sprache war Universalgelehrter, hatte bei Prof. Wolff in Marburg studiert und hatte die Fächern Philosophie, Mathematik, Chemie, Physik, Bergbau und Hüttenwesen absolviert. Ab 1741 wieder in St. Petersburg um seine Dissertation zu schreiben, wirkte er 1754 /1755 an der Gründung der Moskauer Staatsuniversität mit. Direktor der Universität der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften wurde er 1760. Er betrieb wichtige vorbereitende Forschung und stellte Theorien in Chemie, Physik, Metallurgie, Geologie, Geographie, Kartographie, Geschichtswissenschaften und Astronomie auf (Lomonossow-Lavoisier Gesetz). Seine Theorien bezüglich des Antinormannismus war die Abstammung der Waräger von den Roxolani, was er durch Strabo begründete. Die Neukonstruktion der russischen Geschichte war auch sein Ziel, er implizierte eine glorreiche slawische Vergangenheit. Seine russische Chronik wurde von Zarin Katharina II (1729, Zarin ab 1762 - 1796) als staatlicher Geschichtstext eingesetzt.

Stepan Petrovich Krasheninnikov (1724 - 1732), russischer Entdecker und Geograph war Lomonosovs Komillitone und ebenfalls Vertreter der Antinormannisten.

Stepan A. Gedeonov (1815 - 1878) und Dimitrij I. Ilovajskij (1832-1920) vertraten beide die Meinung dass der Ursprung und Name der Rus bei den iranische Roxolanen, einer Verbindung aus Alananen und Rus zu suchen sei.

Nach Nicholas V. Riasanowskij, einem heutigen russisch-amerikanischen Historiker, waren die Rus aus einer organischen Mischung kultureller Übernahme (v.a. Byzanz und Mittelosten) in Verbindung mit der alten slawischer Geschichte der Anten entstanden. Demnach seinen Goten, Sarmaten, Skythen, Kimmerer, Chasaren, Byzantiner der Ursprung der slawische Kultur und die Gründung Kievs bereits vor der Warägerankunft erfolgt

B. D. Grekow, heutiger sowjetischer Forscher , versuchte die Herkunft durch die Einigung verschiedener slawischer Stämme zu begründen. Er spricht in diesem Zusammenhang von einem Stammesverein vor der skandinavischen Ankunft und leugnet diese nicht wie andere Vertreter des Antinormannismus. Grekow bringt wesentlich ältere ausländische Geschichtsquellen in Verbindung mit archäologischen Funden und postuliert eine slawische Agrargesellschaft ab dem 5. Jahrhundert und progressive Kultur einer urrussischen Gesellschaft.

Boris Alexandrovich Rybakov (1908 - 2001) vertrat ebenfalls die Thesen des Stammeszusammenschlusses. Er sprach von etwa 150 slawischen Stämme, die zusammengeschlossen den sozialpolitischen Ursprung der Rus bildeten. Der slawischer Vorstaat in Form der Druzina als Unterstützungskraft und Gewaltmonopol des Fürsten (militärische Unterstützungs- und politischer Legitimationskorpus) als auch der internationale Handel sind nach seiner Aussage der Anfang der Kiever Rus. Zacharias Rhetor wird zitiert, wonach es vorwarägische slawische Rus gab. Nach Rybakow waren die Skandinavier nur als bezahlte Krieger in der Rus.

Als Quellen der Antinormannisten gilt z.B. der Briefwechsel zwischen dem muslimischen Kommandanten (Tabari) und dem König von Derbend (642) der von den kriegerischen Fähigkeiten der Rus berichtet. Die Literatur diverser griechischer Autoren wird als Quelle genutzt um die Skythen als Proto-Rus oder Ur-Slawen zu betiteln. Leo Diaconus (um 950) war ein byzantinischer Geschichtsschreiber. Strabon (etwa 63 v.Chr. -23. n.Chr.), antiker griechischer Geschichtsschreiber und Geograph vielfach zitiert. Anna Comnena Porphyrogenneta, (1083-1153), byzantinische Historikerin und Kind des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos studierte Geometrie, Arithmetik, Philosophie, Astronomie, Musik und Medizin, leitete ein Krankenhaus in Konstantinopel und wird als sehr wichtige Geschichtsschreiberin ihrer Zeit genannt. Jordanes, spätantiker und balkangotischer Gelehrter und Geschichtsschreiber des 6. Jahrhunderts , der aber vielfach bezweifelt wird, als auch Herodot von Halikarnassos (484 - 442), antiker griechischer Historiograph, Geograph und Völkerkundler werden als Quellen angeführt. Prokopios von Caesarea (500 - 562), spätantiker Historiker wird neben Quellen von Pseudo-Zacharias 6.Jh. (nach Zacharias Scholastikos, monophysitischer Rechtsanwalt und Historiker vielfach zitiert. Die Vitae des St. Georg von Amastris, einst Bischof von Amastris wird angeführt. Die Nikonsche Chronik (nach Nikita Minin, Nikon, 1605 - 1681, russischer Patriarch benannt) als auch die erste Nowgoroder Chronik werden als Gegenargumente der PVL genutzt.