Grundsatz

Grundsätzlich möchten wir vorab einige Dinge erläutern, die für das Verständnis unserer angestrebten Darstellung unablässlich sind.

Unser Ziel ist eine Living History-Darstellung, die sich auf Belege und Funde beruft. Dass heisst, nicht auf eine geschichtsnah interpretierte Basis oder auf sondern auf fundiertes Wissen und Fakten, wobei wir alles möglichst originalgetreu darstellen wollen. Das regionale Unterschiede eine wichtige Rolle spielen ist grundlegend. Dabei ist zu beachten, dass keiner von uns ein archäologisches Studium genossen hat, sondern dass wir aus anderen Fachgebieten kommen, die Recherche als Laien betreiben und somit nicht die korrekten Fachtermini und fachspezifischen Vorgehensweisen benutzen.

Zuerst ein paar Worte zur Recherche. Neben dem Internet, was natürlich auch eine Menge an unseriösen Quellen und absichtlich / unabsichtlich falschen Wissensvermittlungen beinhaltet, bieten Büchereien neben dem Studiengebiet der Archäologie einen guten Ansatz um damit zu arbeiten. Dissertationen, Kataloge und Fachbücher bilden einen soliden Grundstock für jede Darstellung, selbst für jene die oberflächlich betrachtet als <undarstellbar> gelten. Der Kostenfaktor und schlechte Erreichbarkeit von Bibliotheken sollten dabei keine Rolle spielen, Fernleihe ist immer eine Alternative bevor man teure Bücher anschafft. Der Wille zur Darstellung und das <gewusst wo> sind grundlegend. Das Studium fachübergreifender grundlegender Literatur sei jedem ans Herz gelegt, der wissen will, welche Strukturen dem System zugrunde liegen und der nicht einfach <irgendwas> anziehen und <kostümiert> sein möchte. Ohne Hintergrundwissen taugt die einfachste Darstellung nichts. Wichtig dabei ist die kritische Betrachtung der verwendeten Quellen, Techniken, Bilder und Funde. Alle Literatur, sei sie nun interpretiert oder nicht, nach 1749 muss mit Vorsicht hinsichtlich des Normannistenstreits genossen werden. Selbst Grundwerke wie seriöse Lexika sind leider nicht frei von den Theorien und werden oft in dem Glauben übernommen dass solch seriöse Quelle unfehlbar ist. Durch oberflächliches Wissen entstehen entscheidende Fehler, die zu Nachahmung führen können - was szeneübergreifend leider immer wieder passiert. Einflüsse anderer Kulturen sind nicht gleichzusetzen mit anderen Kulturen, d.h. die einfache Übernahme von Details oder möglicherweise von Stilen ist ein Trugschluss und führt meist in die falsche Richtung. Übernahmen sind ohne handfeste vorliegende Funde sind daher haltlos. Unser Ziel ist es gegen falsche Interpretationen, Modeerscheinungen und Szene-Legenden anzukämpfen, die sich vielfältig dem <Ottonormalverbraucher> auf hiesigen Veranstaltungen präsentieren.

Die da zum Beispiel wären Bojaren-Darsteller mit Klappenmänteln inklusive Querstegen, ärmellosen Kaftani, weiten Pluderhosen, Männern mit Thorshämmern um den Hals sowie Glasperlenketten, Kaninchenpelz-Zipfelmützen, prunkvollen Mützen ohne Mützenspitze, ganzen Pferdeschweifen im Helm, unbeschlagenen Gürteln, Magyarensäbeln und Brettchenborten, Hörnern am Gürtel, geschminkte Frauen mit willkürlichen Schläfenringen, unbedeckten Haaren, (beschlagenen) Gürteln und skandinavischen Läppchen-Schürzen, Sandalen sowie Fibeln. Kämpfende Frauen, fanatische Verkörperer des Normannisten-Antinormannisten-Streits und nordische Mythologie vergötternde Pseudo-Rus nicht zu vergessen. Pauschalisierungen und Auslegung von Funden nach eigenen Wunschvorstellungen tragen weiter zur Verschleierung des Wissens bei. Man könnte diese Liste noch um zahlreiche "Wolpertinger" erweitern die leider auf diversen Seiten verbreitet werden....

Ohne die nötige Eigeninitiative, den Willen zu recherchieren, lange zu lesen, möglicherweise andere Sprachen zu lernen und zu experimentieren ist der Weg nicht nur steinig und schwer, sondern meist auch unbegehbar. Selbstkritische Betrachtung ist dabei ein essentieller Punkt!

Die angestrebte Darstellung sollte der Zeit und der Geldbörse angepasst sein. Man kann ohne Zweifel bei Null beginnen und mit der Zeit die Darstellung ausbauen und die Ausrüstung aufstocken. Niemand wird verlangen von heute auf morgen eine Darstellung eines hohen Standes zu besitzen. Gute Darstellungen sind nicht gleich teuer. 

Bei Wahl der Darstellung sollte man die Voraussetzungen beachten, die diese mit sich bringt. Welchen sozialen Status bekleidet man? Welche Stellung hat man inne? Was ist damit verknüpft? Was charakterisiert diese Darstellung? Was sind Aufgaben? Die Repräsentation der angestrebten Rolle wird meist vernachlässigt. Damit ist kein Rollenspiel gemeint, sondern grundlegend die Tatsache das - als Beispiel wieder am Bojaren - dieser weder nur eine Rubakha, schmuddelige Kleidung oder unpassende Gürtel (Beschläge, Anzahl und Material) trug oder gar kein Pferd hatte (etc.), sondern gemäss seiner Rolle ausgerüstet sein sollte.

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Wir erheben nicht den Anspruch historisch perfekt zu sein, das wäre vermessen. Es ist vielmehr ein Weg der permanenten Wissenserneuerung und nur zu oft erliegen wir neuesten Erkenntnissen. Das dabei Abstriche zugunsten unserer heutigen Lebensweise gemacht werden, sollte klar sein. Neben Hygiene-Vorschriften (Bedürfnisse nicht im Wald zu erledigen) und ethischen Grundsätzen (Tiere vor Ort schlachten) steht die Tatsache dass man ein Mensch des heutigen Gesellschaftssystems ist, der meist neben dem Hobby noch einen Beruf ausübt. Infolge dessen kann man nicht mit dem Pferd oder Wagen anreisen sei den vielen schlauen Menschen gesagt, die das gern als Argument anbringen. Ebenso wie Transportprobleme sobald die Ausrüstung eine gewisse Grösse überschreitet, nötiger Selbstschutz was manche kampffähige Ausrüstung angeht, den nötigen Boden- und Umweltschutz durch Nutzen einer Feuerschale, im Falle einer nicht in der Heimatgegend gewählten Darstellung die Beschaffung von passenden Nahrungsmitteln, weiterzuführen die Herkunft der Rohwolle, der Schafrasse... dies ist bis ins Kleinste auszuführen und nach und nach, soweit plausibel zu erfüllen.